| Bürgerinitiativen
zur Baupolitik
in Berlin und Brandenburg |
BBiBB
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Demokratie beginnt vor Ort!
Wir fordern Bürgerrechte an der Stadtentwicklung.
An vielen Orten wird gegen die Bürger gebaut.
Entscheidungen über Bauprojekte
treffen Investoren und Projektentwickler, Baubehörden und Politiker
werden zu Erfüllungsgehilfen, die Öffentlichkeit erfährt
es erst, wenn alles in Sack und Tüten ist. Die vom Baurecht gebotene
Verpflichtung zum Allgemeinwohl, zur Bürgerbeteiligung und zum Naturschutz
wird de facto regelmäßig unterlaufen. Es wird gebaut – auf Teufel
komm raus. Am Bedarf vorbei und über die Köpfe der Bürger
hinweg.
Wir Bürger fragen:
Wir Bürgerinitiativen melden uns zu Wort .
Wir setzen die Vorhaben vor unserer Haustür in Beziehung zu unserem Bedürfnis nach sinnvoller, nachhaltiger und zukunftsfähiger Stadtentwicklung. Wir denken in Lebenszeiten, die wir an unserem Wohnort verbringen wollen. Wir denken an eine funktionierende Gemeinschaft über den Tag und über den Kiez hinaus.
Wir fordern: Bauen fürdie Menschen, und oft auch: nicht Bauen, wegen der Menschen. Stadtplanung ist mehr als Flächenverwertung! Stadtplanung ist kein Monopoly - Spiel ! Und die Krise öffentlicher Finanzen ist keine Rechtfertigung dafür, unser aller Zukunft an Investoren zu verscherbeln.
Wir müssen unsere Städte wieder wohnlich machen. Das bedeutet Nutzungsmischung und kurze Wege, Reichhaltigkeit und Abwechslung anstelle von gebauter Monotonie. Angenehme Stadträume brauchen wir, öffentliche Plätze, Aufenthaltsqualität. Nicht nur Einkaufszentren und Hotels. - Es bedarf gesellschaftlicher Anstrengungen, die Unwirtlichkeit an vielen Stellen der Stadt wahrzunehmen und zu bearbeiten.
Wir brauchen eine neue Planungskultur!
Der Direktor des Bauhauses in Dessau hat dies jüngst so formuliert:
"Wie können wir es schaffen,
daß nicht irgendwelche Investoren oder irgendeine Planergruppe entscheiden,
sondern daß wir so etwas wie einen gesellschaftlichen Konsens hinkriegen,
Formen
des Partizipierens und Miteinander-Lebens, die dann auch dazu führen,
daß wir wieder ein Bild von der Stadt gewinnen." (Omar Akbar, DER
SPIEGEL 47 / 2000)
Bürgerbeteiligung muß mehr werden als eine lustlos praktizierte Formalie für die Verwaltung, als eine dem Bürger von Kommunalpolitikern gewährte Audienz. Wir fordern Bürgerbeteiligung als integrativen Bestandteil einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung. Wir bringen neben unseren örtlichen Interessen Sachverstand und Argumente in die Abwägung hinein, die aus der Amtsstube heraus nicht zu erkennen sind. Wir sind kompetent vor Ort! - Aber was wird bislang daraus gemacht? Die Ämter fühlen sich durch die Bürger gestört, verweigern Zusammenarbeit und Akteneinsicht und verweisen die Bürger auf den Klageweg.
Wir Bürgerinitiativen bestreiten,
daß Politik und Verwaltung immer nur aus Verantwortung für das
Ganze handeln.
Wir erkennen jetzt, wie viele wir sind !
Wir schließen uns zusammen zu einem Aktionsbündnis von Bürgerinitiativen, die sich mit Baupolitik in Berlin und seinem Brandenburger Umland beschäftigen:
Bürgerinitiativen zur Baupolitik in Berlin und Brandenburg BBiBB
Wir sehen unsere Treffen als
Ausgangspunkt, um mit weiteren BIs zu kooperieren. Wir fordern Bürgerrechte
an der Entwicklung in Stadt und Land. Wir werden ein Netzwerk zur gegenseitigen
Unterstützung aufbauen. In Berlin und seinem Umland, denn unsere Welt
und unsere Probleme hören nicht an der Stadtgrenze auf, siehe: Flughafen
Schönefeld.
"Lokale Agenda 21"
Die Kommunen haben sich zu "Nachhaltigkeit" und "Bürgerbeteiligung" verpflichtet. Damit sind sie inhaltliche und formale Bindungen zugunsten der Lebensfähigkeit und Lebensqualität unsere Städte – auch für die nächsten Generationen - eingegangen. Von der Papierform ein großes Potential zur Bürgerbeteiligung. Aber: diese von den Kommunalverwaltungen initiierten Gruppen "Lokale Agenda21" haben wenig Kontakt zur Basis und greifen das Engagement von uns Bürgerinitiativen viel zu wenig auf..
"Soziale Stadt"
Das Konzept der "Sozialen Stadt", ein Bundesprogramm, nun auch in Berlin durch die Senatsverwaltung vorgetragen, lautet: An "Brennpunkten" in der Stadt soll Quartiersmanagement, mit Steuergeldern finanziert, Betroffenheit und den Willen zur Beteiligung in der Anwohnerschaft herstellen.- Betroffenheit und der Wille zur Beteiligung sind, wahrlich, hohe Güter. Wo Bürger sich um ihr Umfeld nicht mehr kümmern, verkommt die Stadt und verkommt das Land. - Die "Soziale Stadt" soll dort der Reparatur dienen, wo es schon spät ist. Dort allerdings, wo Bürger ungefragt initiativ werden, werden sie abgewiesen.
"Planungszelle, Bürgergutachten, Stadteilkonferenz, Gesetz zur Informationsfreiheit"
Der Bürger als Partner? Den Bürger "konsultieren"? Noch werden Bürgerinitiativen verdächtigt, daß sie aus kurzsichtig-eigennützigen Motiven handeln. Das Mindeste, das Gesetz zur Informationsfreiheit , das dem Bürger Akteneinsicht gewähren soll, wird restriktiv gehandhabt, hohe Gebühren erhoben, späte Termine gesetzt.. Die Bürger werden auf den Klageweg verwiesen.
"Frühzeitige Bürgerbeteiligung"
Die Frühzeitige Bürgerbeteiligung ist im Baugesetzbuch vorgeschrieben; sie soll die Qualität der Planung erhöhen und ihre Akzeptanz sichern. Sie soll diejenigen Argumente in die Abwägung einbringen, die aus der Amtsstube heraus nicht zu erkennen sind. Aber was wird daraus gemacht? Allenfalls in Details kommt man den Bürgern entgegen, Kernfragen bleiben unverändert.
"Bürgerinitiativen"
Dieses Stichwort kommt in der offiziellen Sprachregelung nicht vor.
Dabei sind sie die Keimzelle der Bürgerbeteiligung! In den Bürgerinitiativen
ist viel Sachverstand vor Ort versammelt; in ihnen wird die anstehende
Planung mit ihren Auswirkungen von allen Seiten durchleuchtet. Bürgerinitiativen
sind kompetent.
Was tun Parteien, Verwaltung, Regierung und Wirtschaft?
Im Grundgesetz wird die Mitwirkung der Parteien an der politischen Willensbildung der Gesellschaft gefordert. In der Realität haben die Parteien den Auftrag zur Mitwirkung zu einem Monopol der Willensbildung verfälscht. Die Regierenden verdanken Ämter und Mandate nicht den Wählern, die sie gewählt haben, sondern ihrer Partei, die sie nominiert hat.
Parteifunktionäre besetzen
die Verwaltungsspitzen, ganze Ämter sind parteipolitisch durchsetzt.
Damit kontrolliert die "Politik" nicht mehr die Verwaltung, sondern die
Parteien stellen die Verwaltung. Und die Wirtschaft finanziert die
Parteien...
Hat unsere Demokratie schwerwiegende Defizite?.
Wir erkennen die unheilvolle Allianz aus Politik, Bauwirtschaft und Verwaltung immer wieder als die Ursache der Probleme - an vielen Orten in unserer Stadt und dem Umland. Wohin werden wir kommen, wenn wir diesen täglich gelebten Verfassungsbruch weiter hinnehmen? Wie kann er beendet werden?
Mitglieder aus diesen BI's tragen
dieses Manifest - weitere BI's kooperieren: Berlin im April 2001
| Bürgerinitiative Stuttgarter Platz | BECU Lichterfelde-West | Siedlung Eichkamp |
| Initiativkreis Schlachtenseer Bewohner | Aktionsbündnis Teufelsberg | Bürgerverein Brandenburg-Berlin e.V. |
| Bi-Gartenstadt Berlin-Lichterfelde | Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck | |
| ViSdP: Bürgerinitiative Stuttgarter Platz | Kontaktadresse:
Nadia Rouhani
Tel.: 030/32703720; www.bi-stutti.de |
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